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Schulschließung verursacht Lerndefizite und Kompetenzverluste: bildungsferne Familien stärker betroffen!

Schulscließung

Bereits während der Corona-Krise wurde der Ruf nach Angeboten für Schüler laut, um die im Zuge der Pandemie geschlossenen Schulen und die damit verbundenen Lerndefizite und Kompetenzverluste auszugleichen.

Wie eine Studie zeigt, bildungsferne Familien sind stärker betroffen!

 

Hilden:  Die wochenlangen Schulschließungen unter dem Einfluss der Corona-Pandemie fordern vor allem bei Schulkindern mit defizitärem Lern- und Bildungsstand einen weitaus größeren Tribut, als in Familien, in welchen neben ausreichenden sowie geeigneten Bildungsanreizen, auch verschiedene bildungsinhaltliche Unterstützungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Dies liegt daran, dass wie in den Sommerferien mit einer sechswöchigen Schulschließung bei Kindern aus benachteiligten familiären Verhältnissen es zu erheblichen Rückschritten beim Kompetenzerwerb führt, dem sogenannten Ferieneffekt.

Hierzu heißt es: „Viele Lehrer berichten von erheblichen Lernverlusten ihrer Schüler in den Sommerferien. Unter welchen Umständen diese Beobachtung für welche Kinder zutrifft, ist Ziel unserer Untersuchung zum Ferieneffekt (Coelen/Siewert im Druck): Als Ferieneffekt bezeichnet man in der Bildungsforschung den Kompetenzverlust bzw. -zuwachs von Schülern in schultypischen Leistungsdomänen (Deutsch, Mathematik etc.) während der unterrichtsfreien Zeit. Unterscheidet sich der Ferieneffekt in Abhängigkeit von Strukturmerkmalen (z. B. sozio-ökonomischer Status, Bildungsniveau, soziales Milieu, Migrationshintergrund) des außerschulischen Umfelds einzelner Teilgruppen der Schülerschaft, dann sprechen wir entsprechend von einem schicht-, milieu-, migrationsspezifischen Ferieneffekt.“ [1.]

Der Ferieneffekt ist mit Schulbeginn zwischen Kindern, in welchen sie mit viel mehr Unterstützungsmöglichkeiten und Lernanreizen, ob in der Familie oder durch weiterreichende kommerzielle Angebote rechnen können, als zu Kindern, die diese vielfältigen Anreize nicht haben deutlich größer.

Auch die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie mit der mehrwöchigen Schulabstinenz und den damit fehlenden vielfältigen Anlässen zu lernrelevanten Themen und sprachfördernden Übungen verschärft die damit verbundenen Nachteile für jene Gruppe der ohnehin bildungsbenachteiligten Schulkinder.

In einer Befragung durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg von Jugendlichen der Sekundarstufe II im April 2020 wird ermittelt, dass „Viele Schüler der Sekundarstufe II […] trotz der Bereitstellung von Lehrmaterialien derzeit nur wenig Zeit für schulische Aufgaben auf[wenden]. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Schüler der gymnasialen Oberstufen gab in einer Befragung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) an, täglich weniger als zwei Stunden mit der Bearbeitung von Aufgaben oder digitalem Unterricht zu verbringen.“[2.]

Verglichen mit einem regulären Schultag mit über 6 Schulstunden und anschließenden Hausaufgaben oder Vorbereitungen, sind selbst 2 Stunden, um dies als Mindestmaß anzusetzen, zur Bearbeitung von Aufgaben im sogenannten Distanzlernen äußerst gering, da diese Zeit ohnehin zu dem sonstigen regulären Schulunterricht hinzuzurechnen wäre.

Besonders interessant ist, dass die Studie das Lernverhalten in der Distanz in Familien mit Abitur und ohne Abitur unterscheidet und dabei auffällig ist, dass vor allem in Familien in welchen die Eltern kein Abitur haben, der Zeitaufwand für das Lernen auf Distanz deutlich geringer ausfällt.

Übertragen auf Grundschulen, ist analog zu den Oberschulen davon auszugehen, dass zum einen die Kinder in der Summe ebenfalls deutlich weniger sich mit schulischen Inhalten und Aufgaben im Vergleich zum regulären Schulunterricht beschäftigen und sich in Familienstrukturen mit einem niedrigeren Bildungsabschluss dazu der tägliche Lernaufwand der Kinder weiter verringert.
Diese Annahme wird durch die vorliegende bundesweite Studie mit 3.632 Lehrkräften aus allgemeinbildenden Schulen in Deutschland unter dem Titel „Unterricht während der Corona Pandemie: Lehrkräftebefragung“ vom Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Technische Universität Dortmund wie folgt bestätigt:
„Die Lehrkräfte berichteten in großer Mehrheit, dass die Kinder in vielen Fächern weniger als normalerweise in der Schule gelernt haben und dass die sozial bedingten Ungleichheiten im Bildungsbereich verstärkt wurden (siehe Abschnitt 5.5).“ [3.] Seite 5, vgl. Punkt 6.

Ebenso heißt es in der Studie mit Bezug auf soziale Aspekte und dem Lernen auf Distanz wie folgt:
„Auch hinsichtlich bestehender sozial bedingter Ungleichheiten im Bildungssystem berichteten die Befragten, dass sie den Eindruck einer Verstärkung dieser Ungleichheiten mehrheitlich zustimmten (M = 1,49; SD = 0,71). Insgesamt erwarteten Lehrkräfte bezüglich der Lernzuwächse von Lernenden demnach in vielen Fächern ungünstige Tendenzen und befürchteten einen Zuwachs an sozial bedingten Ungleichheiten im Bildungssystem (s. Abbildung 8).“ [3.] Seite 18, vgl. Abb. 8.

Demnach stimmen 62 % der Lehrer dem zu, dass die sozial bedingten Ungleichheiten im Bildungsbereich verstärkt wurden. [3.] Seite 18, vgl. Abb. 8.

Und gleichsam stimmen 44,3 % der teilnehmenden Lehrkräfte der Aussage zu, dass die Kinder in vielen Fächern weniger als normalerweise in der gelernt haben. [3.] Seite 18, vgl. Abb. 8.

Abbildung 1: Verteilung der Antworten in Prozent
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Da bisher nicht absehbar ist, wann tatsächlich ein regulärer Schulbetrieb wie vor Corona wieder möglich sein wird und mit der mehrwöchigen Schulabstinenz in der Corona-Krise zu den bereits ohnehin bestehenden Bildungsdefiziten diese sich weiter bei den Schülern ausweiten werden und in den nun bevorstehenden Sommerferien überdies zusätzlich Bildungskompetenzen abgebaut werden, ist absehbar, dass die Defizite und damit verbundenen Nachteile für bereist benachteiligte Kinder der Konflikt bezüglich Bildungsgerechtigkeit deutlich weiter vergrößern wird. 

Gemäß der Expertise der Paritätischen Forschungsstelle, werden im Kreis Mettmann im Rahmen von Leistung für Bildung und Teilhabe lediglich 10,4% an Unterstützungsleistungen beantragt.[4.]

Dies bedeutet, dass besonders die für diese Schulkinder wichtige Förderung und damit außerschulische Unterstützung nur für jedes zehnte Schulkind im Kreis Mettmann von ihren Eltern und Vormündern beantragt und für die bedürftigen Kinder in Anspruch genommen wird.

Demzufolge kann festgestellt werden, dass gerade da wo Schulkinder einen berechtigten Förderbedarf haben, weil bei ihnen ohnehin die sogenannte Leistungsschere viel weiter auseinanderklafft, die sich zudem im Zuge der wochenlangen Schulabstinenz weiter gespreizt hat, die Förderung nicht ankommt.

Auch in der Hildener Politik ist das Thema Corona und Leistungsdefizite im Zuge der Pandemie angekommen. So sorge sich der FDP-Fraktionschef Rudi Joseph um die Kinderbetreuung während der Sommerferien, heißt es in der lokalen Presse. Hierzu erkundige sich die Ratsfraktion, welche Konzepte der Hildener Verwaltung vorlägen, „um nach Leistungsunterschiede in den zu vermittelnden Stoffinhalten bei den Schülern zu vermeiden […]“ und, ob „die Gemeinde Hilden in ihrer Eigenschaft als Schulträger Konzepte entwickelt, um in den Ferien Möglichkeiten zu schaffen, den Unterrichtsstoff nachholen zu können?“[5.]

Bildung ist Ländersache und damit obliegt es den jeweiligen Bundesländern und ihren Bildungsministerien kluge und zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen, damit für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe die Corona-Pandemie nicht zur echten Lebens-Krise wird! [bar]

Quellen:
1. Chancenungleichheit in der Grundschule, Ursachen und Wege aus der Krise, Editors: Jörg Ramseger, Matthea Wagener, 2008

2. Schulschließungen wegen Corona: Regelmäßiger Kontakt zur Schule kann die schulischen Aktivitäten der Jugendlichen erhöhen, Silke Anger, Sarah Bernhard, Hans Dietrich, Adrian Lerche, Alexander Patzina, Malte Sandner, Carina Toussaint, 23.04.2020
https://www.iab-forum.de/schulschliessungen-wegen-corona-regelmassiger-kontakt-zur-schule-kann-die-schulischen-aktivitaten-der-jugendlichen-erhohen/

3. Unterricht während der Corona-Pandemie: Lehrkräftebefragung
Unterricht während der Corona-Pandemie: Erste Ergebnisse der bundesweiten Lehrkräftebefragung, Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS), Technische Universität Dortmund, PD Dr. Ramona Lorenz, Chantal Lepper, M.A., Thomas Brüggemann, M.Sc. & Prof. Dr. Nele McElvany, Juni 2020
http://www.ifs.tu-dortmund.de/cms/de/Home/Pressematerialien/Pressematerialien/UCP_Kurzbericht_final.pdf

4. Expertise der Paritätischen Forschungsstelle "Empirische Befunde zum Bildungs- und Teilhabepaket: Teilhabequoten im Fokus." - Bildungs- und Teilhabepaket: Nur jedes siebte Kind der 6- bis unter 15-Jährigen profitiert von Teilhabeleistungen, 08.10.2019,
http://infothek.paritaet.org/pid/fachinfos.nsf/0/7124f066a479fee4c125848d00278f34/$FILE/expertise-BuT-2019.pdf

5. Sorgen um die Kinder, FDP fragt nach Betreuungsmöglichkeiten, Wochenanzeiger Hilden, 6267/2, Samstag, 13.06.2020

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